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Mittwoch, 28.05.2025

Uni-Graz-Doktorandin: Warum Frauen mit Sehbehinderungen mehr leisten müssen als Männer

Laura Hochsteiner

Laura Hochsteiner beschäftigt sich mit Autobiografien sehbehinderter Frauen. Foto: Uni Graz/Schweiger

Frauen müssen oft mehr leisten. Und noch einmal mehr, wenn sie eine Behinderung haben. Das weiß Laura Hochsteiner nicht nur, weil sie selbst sehbehindert ist. Als Forscherin an der Uni Graz beschäftigt sie sich mit Autobiografien blinder US-Amerikanerinnen im 21. Jahrhundert und untersucht, wie sie Barrieren und Hürden überwinden.

Sie war die erste taub-blinde Harvard-Rechtswissenschaftlerin. In ihrer 2019 erschienenen Autobiografie schildert die heute 36-jährige Haben Girma ihren beeindruckenden Weg – vom Studium an der angesehenen US-Uni über Eisklettern in Alaska bis zu Einladungen ins Weiße Haus. Diese und weitere Memoiren von Nordamerikanerinnen mit Sehbehinderungen untersucht derzeit Laura Hochsteiner im Rahmen ihrer Dissertation. „Meistens berichten Ärzt:innen oder selbsternannte Expert:innen über die Behinderungen anderer. Ich will zeigen, wie die Frauen die Kontrolle über ihre eigene Geschichte bekommen.“ Dabei wird sie anhand der Lebensläufe ausgewählter Autorinnen deren Karriere sowie die Veränderung mit dem Alter analysieren.

Risiko Armut 

Die Doktorandin steht zwar am Anfang ihrer Forschungsarbeit, es spiegeln sich jedoch bekannte Machtstrukturen und Abhängigkeiten wider: „Auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben müssen Frauen mit einer Behinderung mehr leisten als Männer.“ Sie erhalten geringere Unterstützung, werden unter anderem im Job weniger ernst genommen – sowohl in den USA als auch in Europa. „Diskriminierungsformen sind trotz der kulturellen Unterschiede ähnlich“, stellt die Amerikanistin fest. Auf beiden Kontinenten sei das Risiko in Armut abzurutschen extrem hoch. Vor allem nach der Schule und weiteren Ausbildung fallen viele Schutzmechanismen weg. So liegt die Arbeitslosenquote sehbehinderter Menschen bei rund 70 Prozent.
Davon ist die Mitarbeiterin am Zentrum für Interdisziplinäre Alterns- und Care-Forschung der Uni Graz glücklicherweise nicht betroffen. Sie konnte eine von sechs Promotionsstellen der österreichischen Universitätenkonferenz einwerben. Insgesamt vier Jahr lang wird sie nun dank „PromoLi“ gefördert. 
Laura Hochsteiners Sehvermögen ist seit der Geburt stark eingeschränkt. Ihren wissenschaftlichen Alltag bestreitet sie mit Hilfe von E-Books, speziellen Vergrößerungsprogrammen und einer Bildschirm-Lupe. „Die Digitalisierung bringt große Vorteile“, bestätigt die Nachwuchsforscherin, „es ist dennoch vieles, wie Online-Meetings, visuell geprägt.“ Auch die Teilnahme an Konferenzen stelle sie vor Probleme.

Disability Studies

Um das Bewusstsein für die Anliegen behinderter Frauen zu schärfen, brauche es mehr Aufklärungsarbeit und wissenschaftliche Auseinandersetzung. „Viele glauben, dass das Leben so viel schwerer ist. Das heißt aber nicht, dass es deswegen schlechter ist.“ Vielmehr sei es wichtig zu verstehen, welche sprachlichen, ideologischen, kulturellen Mechanismen sich hinter der Diskriminierung verbergen. Daher möchte Laura Hochsteiner zusätzlich zu ihrer Dissertation einen Forschungsbereich zu Disability Studies mit einem geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt an der Universität Graz aufbauen.

Erstellt von Andreas Schweiger

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