Symposium: Care-Bewegungen: Für die Demokratisierung der Sorge
Care und Demokratie stehen in einem vielschichtigen Wechselverhältnis. So geht etwa die Politikwissenschafterin Joan Tronto in ihren Überlegungen zu einer „Caring Democracy“ davon aus, dass der Demokratisierungsgrad von Gesellschaften sich letztlich daran zeigt, wie demokratisch und gerecht Care organisiert ist. Wo stehen wir in dieser Hinsicht? Inwiefern kann ich als Bürger:in davon ausgehen, unabhängig von meinen sozio-ökonomischen Lebensbedingungen bei Bedarf Fürsorge zu erfahren? Welche Möglichkeiten habe ich, mich – trotz Erwerbstätigkeit – in und für Care zu engagieren? Inwieweit sind diese Formen der Care-Teilhabe in kapitalistisch orientierten Gesellschaften eine Illusion?
Care-Bewegungen sind vielerorts aktiv. In den Communities, im Sozial- und Gesundheitsbereich und in der Arbeitswelt treten sie dafür ein, Care – die Sorge füreinander, für die natürlichen Umwelten und die nächsten Generationen – ins Zentrum des Zusammenlebens zu rücken. Ansatzpunkte finden sie in gemeinwohlorientierten Wirtschaftskonzepten, in neuen Wohnformen, in ressourcenschonenden Strategien für Natur und Ernährung. All diesen Bewegungen ist die Einsicht gemein: Es braucht Begrenzung. Degrowth ist die Strategie der Zukunft, eine Abkehr vom Paradigma des Wachstums ist in allen Formen des Wirtschaftens und der Landnutzung notwendig. Wachsen soll jedoch in Politik und Gesellschaft die Aufmerksamkeit für Care, um ein gutes Leben für alle und ein Mehr an Demokratie zu ermöglichen.
Was können wir dazu beitragen – als Bürger:innen und als Organisationen, die in Politik und Verwaltung, in Wissenschaft und Care-Praxis tätig sind? Alle Akteur:innen gestalten in ihren Rollen das Geschehen mit, teils ganz bewusst, teils unbewusst. Beim Symposium wollen wir darüber ins Gespräch kommen, und zwar in bester Tradition des Vereins Sorgenetz: Die bewährte Kombination von Impulsvorträgen und interaktiven Reflexions- und Diskussionsformaten verspricht einen Tag voll Inspiration und Austausch.
In weiteren impuls- und resonanzgebenden Rollen:
- Katharina Heimerl (Institut für Pflegewissenschaft, Universität Wien; D-A-CH-Netzwerk CC)
- Andreas Heller (Zentrum für Interdisziplinäre Alterns- und Care Forschung (CIRAC), Universität Graz; Leitungsteam ILCC)
- Patrick Schuchter (Kardinal König Haus Wien; CIRAC, Universität Graz; Verein Sorgenetz, Wien; Leitungsteam ILCC; D-A-CH-Netzwerk CC)
- Robert Sempach (Initiator des Netzwerks Caring Communities Schweiz und selbständiger Community Berater; Leitungsteam ILCC; D-A-CH-Netzwerk CC)
- Klaus Wegleitner (CIRAC, Universität Graz; Verein Sorgenetz, Wien; Leitungsteam ILCC; D-A-CH-Netzwerk CC)