Ethik, Behinderungen und chronische Erkrankungen: Perspektiven im Dialog
Am 15. und 16. Oktober 2026 fand an der Universität Graz der Workshop „Ethik, Behinderungen und chronische Erkrankungen: Perspektiven im Dialog” statt. Organisiert wurde er von der Arbeitsgruppe „Ethik, Behinderungen und chronische Erkrankungen” der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) in Kooperation mit dem CIRAC. Forschende, Praktiker:innen und Vertreter:innen von Selbstvertretungsorganisationen diskutierten aktuelle ethische Fragen im Zusammenhang mit Behinderung und chronischer Erkrankung.
Den Auftakt machte Dr.in Nina De Bettin Padolin (CIRAC) mit einem Vortrag über Sichtbarkeit und Repräsentation von Alter(n) und Behinderung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. In zwei parallelen Kleingruppen wurden anschließend unterschiedliche Themen vertieft: Prof.in Dr.in Vivienne Matthies-Boon (Radboud University Nijmegen) thematisierte Postinfektionsethik und chronische Erkrankungen, Prof. Dr. Giovanni Rubeis (Universität Graz) Technoableismus und ethische Herausforderungen technologischer Entwicklungen im Gesundheitsbereich. Dr.in Anna-Eva Nebowsky (Ruhr-Universität Bochum) behandelte in der Online-Gruppe medizinethische Aspekte von Partnerschaft und Intimität im Kontext von Behinderung und chronischer Erkrankung.
Am ersten Tag fand außerdem die öffentliche Podiumsdiskussion „Nichts über uns ohne uns? Erfahrungen mit Co-Forschung in der Medizinethik” statt. Auf dem Podium diskutierten Prof.in Dr.in Sigrid Graumann, Antonia Kranzelbinder, Mag.a Marianne Karner und Dr.in Alekszandra Rokvity (CIRAC) über Möglichkeiten und Grenzen partizipativer Forschung.
Am zweiten Tag sprach Prof.in Dr.in Sigrid Graumann (Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe) über menschenrechtsethische Perspektiven auf das Verhältnis von Medizin und Behinderung. Im abschließenden Forum wurden zentrale Ergebnisse des Workshops aufgegriffen und Möglichkeiten für künftige Forschung und Kooperationen besprochen.
Der Workshop machte deutlich, dass Teilhabe, Inklusion und Partizipation zentrale Herausforderungen der Medizinethik sind. In den Diskussionen wurde übereinstimmend festgehalten, dass medizinethische Fragen nicht allein auf individueller Ebene betrachtet werden können, sondern gesellschaftliche, politische und strukturelle Rahmenbedingungen einbeziehen müssen. Die Teilnehmenden hoben die Notwendigkeit eines fortgesetzten Dialogs zwischen Wissenschaft, Praxis und Betroffenen hervor, ebenso die Bedeutung partizipativer und interdisziplinärer Ansätze für Forschung und Gesundheitsversorgung.
Der Workshop wurde von der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. (AEM) und dem CIRAC gefördert. Das Organisationsteam bestand aus Dr.in Anna-Christina Kainradl, Dr.in Elisabeth Langmann, Dr.in Maximiliane Hädicke, Majse Kraft MA und PD Dr.in Merle Weßel.